Was deine Einstellung zu einer Situation für Auswirkungen hat und wie du am besten damit umgehen kannst.

 

Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer Finanzcoachin, um meine berufliche und finanzielle Lage mit ihr zu besprechen. Ich erklärte ihr lang und breit meine Ausgangssituation und an welche Grenzen ich immer wieder stoße. Eine davon ist das Burnout-Syndrom, mit dem ich seit Jahren kämpfe. Erschöpfungszustände und mentale Überforderung sind meine ständigen Begleiter. Nachdem ich mit meiner Schilderung fertig war, wies sie mich auf verschiedene Aussagen hin, die enorm negativ waren. Ich hatte ein düsteres Zukunftsszenario gemalt und mich in Selbstmitleid gesuhlt. Schließlich gab sie mir die Aufgabe zehn Gründe zu finden, warum mein Burnout mir gut tut. Sofort überschlug sich mein Gehirn und ratterte innerlich alle Gründe herunter, warum mir diese Erkrankung das Leben schwer macht. Doch nach und nach fand ich tatsächlich Punkte, inwieweit diese gesundheitliche Entwicklung für mich notwendig war.

 

1. Ich lernte Grenzen zu setzen, die ich vielleicht sonst nicht gesetzt hätte, weil ich mit meiner Energie gut haushalten muss.

 

2. Ich durfte die Erfahrung machen, dass ich mich in dunklen Momenten auf meinen Partner verlassen kann.

 

3. Mein Körper gab mir ein klares Zeichen, dass ich auf dem falschen Weg unterwegs war und es Zeit war eine neue Richtung einzuschlagen.

 

4. Ich durfte die Erfahrung machen, dass selbst in Momenten, in denen ich am Boden lag, von irgendwoher ein Funken Hoffnung kam.

 

5. Ich fand mehr Klarheit für meine Zukunftspläne und habe nun eine konkrete Vision, die ich verfolgen kann.

 

Diese und andere Gründe zählte ich nach und nach zögerlich auf, bis ich nach einiger Zeit zehn zusammen hatte. In mir hatte sich die Waage ein Stück aus der schweren Negativität in Richtung einer Balance bewegt. Und dann sagte meine Coachin: "Und als Hausaufgabe findest du noch einmal 150 Gründe!" Uff. Eine Herausforderung. Aber wenn ich mich nach zehn Gründen schon etwas leichter fühlte, wie würde ich mich dann nach 160 fühlen?

 

Was ich mit dieser persönlichen Geschichte sagen möchte ist, dass Dinge nicht von Natur aus gut oder schlecht sind. Es ist unsere Perspektive, die wir einnehmen, die ihnen Gewicht und eine Wertung verleiht. Wenn ein Mensch stirbt, assoziieren wir das sofort mit Trauer, aber vielleicht hat dieser seine Familie unterdrückt und sie kann jetzt wieder befreit aufatmen. Eine Kündigung kann eine Katastrophe oder die Chance für einen Neubeginn sein. Eine Krankheit kann eine Möglichkeit sein zu erkunden, was einem im Leben wirklich wichtig ist. Ein schwieriger Hund kann einen in der eigenen Entwicklung enorm weiterbringen. Auch andersherum kann es Perspektivwechsel geben: eine frisch eingegangene Beziehung bedeutet zu einem gewissen Maß den Verlust persönlicher Freiheit. Ein einfaches Leben hält nicht so viele Möglichkeiten zum Lernen und Wachsen bereit wie eins, in dem man mehr Stolpersteinen begegnet.

 

Es geht auch gar nicht darum unangenehme Gefühle durch toxische Positivität beseite zu schieben, sondern das eigene Hirn z. B. nicht durch ständiges Jammern darauf zu trainieren auch in Zukunft automatisch genau diese Synapsen wieder zu verwenden und sie damit zu stärken. Wenn wir grundsätzlich im Umgang mit unserem Hund alles schwarz sehen, stehen wir uns selbst im Weg, indem wir uns nicht erlauben daran zu glauben, dass es auch besser werden kann. Um wieder in eine emotionale Balance zu kommen und aus dieser heraus bessere Entscheidungen treffen zu können, müssen wir uns vor Augen führen, dass jede Situation auch irgendwo etwas Gutes hat. Dies zu tun ist jedes Mal eine bewusste Entscheidung. Indem wir uns immer wieder auch mit den positiven Aspekten einer unangenehmen Situation auseinandersetzen, öffnen wir unseren eigenen Horizont für neue Möglichkeiten.

 

Im Gegenzug müssen wir uns manchmal auf den Boden der Tatsachen herunterholen, wenn wir schnell große Fortschritte im Training machen und dann so von Euphorie getrieben sind, dass wir unserem Hund zu schnell zu viel zumuten und damit unweigerlich Rückschritte passieren.

 

Wenn du in Zukunft also merkst, dass du zu sehr in den Wolken schwebst oder dauerhaft zu Tode betrübt bist, versuche dich wieder in Balance zu bringen. Hab im Hinterkopf, was schief gehen kann oder überlege dir, welchen Nutzen du aus der aktuellen Situation ziehst. Nur in Balance treffen wir die besten Entscheidungen für ein erfülltes Leben und finden Ideen und Visionen für die Zukunft. Erlaube dir daran zu glauben, dass es besser werden kann, ohne dabei abzuheben.

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